EVANGELIUM: Joh. 17,1-11a
Jedes Mal, wenn ich dieses Evangelium lese, bin ich von den Worten von Jesus beeindruckt. Jesus spricht zu Gott, er betet mit Worten, die aus der Tiefe seines Herzens kommen. Jesus betet für die Menschen, die zu ihm gehören, an ihn glauben - für die Christen, für uns also.
Und was ist sein Anliegen, seine tiefe Sorge? „Diejenigen, die zu mir gehören, glauben, dass ich von dir gekommen bin ... Sie haben meine Botschaft, alles was ich über dich gesagt habe, angenommen ... Ich habe ihnen gezeigt, wer du bist und wie groß du bist ... So habe ich ihnen die Gemeinschaft mit dir, Gott, ermöglicht .... Erhalte sie in der Gemeinschaft mit dir, lass ihre Beziehung zu dir nicht verloren gehen, lass sie so mit dir und untereinander eins werden, so wie ich mit dir verbunden bin.“ Ein sehnsüchtiges Verlangen von Jesus!
In seiner Lebensweise, in seinem Umgang mit den Menschen, war immer eine Liebe spürbar, die er selbst verstand als die Gottesliebe, die in ihm wirkte. Und Jesus meint: Ich habe hier auf der Erde den Menschen gezeigt, wer du, Gott, bist und wie groß du bist. Jesus vermittelt uns von Gott ein Bild, eine Vorstellung, die anders ist als z.B. die Vorstellung von Johannes, dem Täufer der Gott darstellt als ein Richter, der uns am Ende strafen wird für unsere Sünden. Für Jesus ist Gott für seine Menschen wie ein liebender Vater.
Und das hat Konsequenzen für uns, für unser Leben, für unser Menschsein. Wenn wir Gott so sehen und verstehen, wie Jesus ihn bekannt gemacht hat, dann bekommt unser Leben eine andere Qualität. Wir sind in Gottes Hand, der es gut mit uns meint. Wir dürfen uns geborgen fühlen, voller Hoffnung, dass unser Leben - was auch geschieht - eine letzte Erfüllung finden wird, trotz Einsamkeit, Leiden und Tod. Diese Erfahrung machen wir durch eine niemals endende (und immer mehr sich vertiefende) Verbundenheit mit Gott, dem liebenden Vater.
Dieses Bewusstsein, diese vertrauensvolle Beziehung zu Gott, hat auch Folgen für unsere Beziehung zueinander. Jesus bittet Gott: „Erhalte sie in der Gemeinschaft mit dir, damit sie untereinander so eins werden, wie du und ich eins sind.“
Alle, die an Gott und an Jesus glauben haben etwas, was sie miteinander verbindet. Sie haben etwas gemeinsam, werden dadurch eine Glaubensgemeinschaft, die sich natürlich auch weiterentwickeln und vertiefen kann und soll, indem man immer mehr aufeinander zugeht, miteinander vertraut wird, Zeit miteinander verbringt, sich gemeinsam für die „Sache Jesu und Gottes“, für das „Reich Gottes“ einsetzt.
Das ist die Zielvorstellung von Jesus: Wir sollen „untereinander so eins werden, wie du, Gott-Vater, und ich eins sind“. Ein hohes Ideal! Wo uns das - sei es auch mangelhaft - gelingt, spüren wir jetzt schon etwas von diesem „wahren Leben“, natürlich bruchstückhaft, mit Höhen und Tiefen. Wir sind unterwegs. Aber es ist der tiefe Wunsch, den Jesus in seinem Gebet zum Ausdruck bringt, dass uns das gelingt.